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Seit Dienstag ist die Aula der Uni Bern besetzt. In einer langen Plenarsitzung während der Nacht auf Donnerstag sind nun die Forderungen in einem offiziellen Communiqué ausformuliert worden.

Während wir als Vorstand der Fachschaft Soziologie das Mittel der Besetzung kritisch betrachten, stimmen wir in allen wesentlichen Punkten mit den Anliegen überein. Bereits im vergangenen Frühjahrssemester haben wir gegen Ökonomisierungstendenzen und Fächerzusammenlegungen an der WISO demonstriert, unter erheblichem Zuspruch der StudentInnenschaft, wie auch VertreterInnen des Lehrkörpers.

Daher möchten wir an dieser Stelle unsere Unterstützung und Sympathie für die Forderungen der Besetzenden aussprechen.

Als Fachschaft setzen wir uns generell für verstärkte Mitsprache der StudentInnen ein. An anderer Stelle mussten wir bereits die – teils fahrlässige – Missachtung bestehender Mitbestimmungsrechte feststellen. Zudem unterliegen auch unsere VertreterInnen in Universitätsgremien (noch) der Geheimhaltungspflicht.

Ebenso kann eine weitere Ökonomisierung nicht im Interesse einer umfassenden kritischen Soziologie sein. Wer in der Pflicht wirtschaftlicher Akteure forscht, kann das gesellschaftliche Gefüge nicht vollkommen durchleuchten. Wir wehren uns bereits seit einiger Zeit gegen die schleichende Einführung einer einseitigen Soziologie der renditeorientierten Modellberechnung.

Gerade in Bern ist die Soziologie nach wie vor bedroht, durch Zusammenschlüsse mit ähnlich erscheinenden Disziplinen marginalisiert zu werden. Die universitäre Vielfalt wird dadurch empfindlich eingeschränkt, was wir nicht hinnehmen können.

Im Vergleich der Studienfächer ist die Soziologie unter den Besetzern der Aula stark vertreten. Dies zeigt, dass sich kaum etwas verbessert hat seit der umstrittenen Einführung des übereilten Einheitsstudienganges der Sozialwissenschaften.

Last updated ( Freitag, 20. November 2009 um 11:17 )  

Fragen?


«Deshalb ist er [der Arme] im sozialen Sinn erst arm, wenn er unterstützt wird. (…) Soziologisch angesehen ist nicht die Armut zuerst gegeben und daraufhin erfolgt Unterstützung (…), sondern derjenige, der Unterstützung geniesst (…), dieser heisst der Arme»

Simmel, Georg (1992 [1908]): Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 551.