soziologie.ch

 
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
soziologie.ch blog blog soziologie in der presse

soziologie in der presse

E-mail Imprimer
pas de tranductions pour ce contenu
In dieser Jahreszeit, in der Schenken und Luxuskonsum aktuell sind, kommt im Tagi der Soziologe Thomas Druyen zu Wort. Noch bevor das Interview gelesen ist, wirds spannend, zumindest wenn man wie ich die Kästchen immer zuerst liest. Druyen hat nämlich einen nicht ganz alltäglichen Lehrstuhl.
Nicht für ein herkömmliches Gebiet wie Sozialstrukturanalyse oder Soziologische Theorie, nein, 'Vergleichende Vermögenskultur' ist das, wozu Herr Druyen forscht und lehrt. Auf der Seite der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien erfährt man mehr über 'Comparative Asset Psychology', wie das Gebiet auf Englisch genannt wird.
Druyen unterscheidet im Interview Reiche von Vermögenden, wobei nicht das Ausmass des Vermögens ausschlaggebend ist, sondern der Umgang damit. Vermögende sind verantwortungsvoll, was jedoch "Erfolg keineswegs aus[schliesst]". Wir erfahren auch, dass unsereins mit einem Lottogewinn wahrscheinlich weder vermögend noch reich würde - da den meisten Lottogewinnern schon nach wenigen Jahren nichts mehr bleibt. Lottogewinnerinnen eventuell eher, da Frauen laut Druyen anders mit Geld umgehen. Trotz der etwas beliebig erscheinenden Vielfalt an besprochenen Themen liegt ein Schwerpunkt des Gesprächs darauf, wie Leute mit viel Geld sich für die Gesellschaft nützlich machen können. Dadurch können Sie etwa den "Argwohn" der anderen angesichts ihres Reichtums zerstreuen. Man darf vorsichtig fragen, ob das vielleicht auch ein (unbewusstes?) Ziel von Herrn Druyens Tätigkeit ist. Sowohl sein Rezept gegen die Finanzkrise - "Rückbesinnung auf ethische Prinzipien" - als auch die Begründung hoher Löhne - "Leistungsvolumen" - scheinen das Individuum ins Zentrum zu rücken. Fokussiert man aber zu sehr auf das Individuum kann vergessen gehen, dass dieses innerhalb von Strukturen handelt. Reich wird man nicht nur aus eigener Kraft, Mehrwert schafft man nicht alleine und die Instabilität von Finanzmärkten lässt sich vielleicht nur mit kollektiven, politischen statt mit individuellen Veränderungen lindern.

Artikel: Tages-Anzeiger, Montag 29. Dezember, S. 21. Link zum Artikel (nur für beschränkte Dauer zugänglich)

Commentaires

Show/Hide Comment form Please login to post comments or replies.
 

Foucault über seine eigene Forschungsarbeit:

«Es handelte sich um Forschungen, die einander sehr verwandt waren, ohne indessen ein kohärentes Ensemble zu bilden oder eine Kontinuität aufzuweisen. Es waren fragmentarische Foschungen, von denen letztlich keine vollendet wurde, ja nicht einmal Folgen hatte, zugleich zerstreute und sich ständig wiederholende Forschungsarbeiten, die in die gleichen Konzepte, die gleichen Themen, die gleichen Begriffe zurückfielen [...]. All das schleppt sich hin, geht nicht vorwärts, wiederholt sich und bidlet kein zusammenhängendes Ganzes; im Grunde sagt es beständig das Gleiche, doch sagt es vielleicht auch gar nichts aus. In zwei Worten: es ist nicht schlüssig» Michel Foucault (1977): Intervista a Michel Foucault (Gespräch mit Alessandro Fontana und Pasquale Pasquino vom Juni 1976), in: A. Fontana / P. Pasquino (Hg): Microfisica del Potere: Interventi plitici, Turin, S. 55f.